Angeboten wird ein Gemälde von Richild Holt TITEL: „Apokalypse“ TECHNIK: Öl auf Leinwand, Keilrahmen, frei in schlichter Atelierleiste ENTSTEHUNGSJAHR: u.l. datiert „[19]90“ SIGANTUR: u.l. signiert „R. Holt“ GRÖßE: 80 x 60 cm (ohne Rahmen) bzw. 83 x 63 cm (mit Rahmen) ZUSTAND: sehr schöner Zustand; Atelierleiste an wenigen Stellen sehr leicht berieben ---Richild Holt (recte: Richild von Holtzbrinck) fand erst verhältnismäßig spät den Weg zur Kunst. – Oder besser gesagt: sie konnte diesen nicht eher beschreiten. Denn ihr Leben lang war es doch die Kunst, die sie anzog. So ist es auch zu verstehen, wenn sie ihrem Vater, ein Professor für Bodenkultur, nach ihrem Abitur offenbarte, dass sie „nichts anderes als Malerin“ werden könne [1]. Dieser wischte dies barsch beiseite und erklärte, dass Frauen Genie nicht eigen sei und sie sich eher auf die Ehe und Kinder beschränken solle. Nachdem dann der Vater die Familie auch noch verließ, mag dieser Zwang zwar gefallen sein, doch wuchsen dafür die finanziellen Sorgen. Im Vordergrund stand demnach das Geldverdienen, und die Kunst musste warten. Nach dem Besuch der Wiener Fachschule für Wirtschaftswerbung begann sie in internationalen Unternehmen Karriere zu machen. In ihrer freien Zeit malte und zeichnete sie stets. Nach ihrer Heirat 1968 begann sie ein Studium an der New School for Social Research (New York City), was wie die Erfüllung ihres lang gehegten Wunsches wirken musste. Jedoch kündigten sich in den nächsten Jahren ihre drei Kinder an, so dass die Familie unweigerlich in den Vordergrund rückte und zum vorzeitigen Abbruch des Studiums führte. Erst 1981 kann sie ihr tatsächliches Kunststudium an der Stuttgarter Akademie beginnen, welches sie 1985 abschloss. Kurze Zeit später, im Januar 1987, werden 18(!) ihrer Werke bei einer Gruppenausstellung im „Mussavi Arts Center“ (New York) gezeigt. Dort ist man von der Künstlerin und deren Schaffen so angetan, dass man ihr das Angebot einer Einzelausstellung macht. Sie stimmt zu und die Schau fand noch in demselben Jahr statt – vom 5. November bis 12. Dezember. Ab dieser Zeit „begann der Zug abzufahren“, wie die Künstlerin es selbst im Rückblick sagt. – Es folgten zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen, wobei erstaunlich, oder besser: bedauerlich, ist, dass man im Ausland viel schneller auf Richild von Holtzbrinck aufmerksam wurde als in Deutschland. Nur kurze Zeit nach dem Ende der Studienzeit trat die nächste Zäsur im Leben der Künstlerin auf. „Im August 1987 diagnostizierten Ärzte bei Richild von Holtzbrinck Krebs: In ihrer linken Brust wuchsen mehrere Tumoren, einer davon gehörte zu einem Typus, der dazu neigt, spiegelbildlich aufzutreten. Die niederschmetternde Prognose lautete, dass die Malerin vielleicht noch zwei Jahre zu leben hätte. Ein Fehlurteil, wie sich zeigte, denn trotz seiner Größe hatte der Krebs glücklicherweise keine Metastasen gebildet. Um das Risiko einer erneuten Krebserkrankung zu minimieren, ließ sich die Künstlerin schließlich auch ihre rechte Brust entfernen.“ [2] Diese Operationen erfolgten bis 1990. Für die Künstlerin eine überaus dramatische Lebensphase. Gerade in dieser Phase entstanden nun mitunter Werke, in denen sie die Todesnähe und die eigene Sterblichkeit überaus eindringlich thematisiert. Die hier gezeigte „Apokalypse“ ist Teil einer Werkreihe dieser Zeit. Verschlungene, nackte Körper werden von einem Strudel angezogen. Ihre Gesichter sind angstverzerrt, die Muskeln und Gliedmaßen angespannt, doch trotz der Gemeinsamkeit des Leidens, bleibt jeder für sich allein. Wie auch bei anderen Werken, so liegt auch hier ein Hauptaugenmerk auf der expliziten Ausarbeitung der Körper – die verkrampften Muskeln, die geballten Fäuste, die offenen Mäuler… Farblich beachtlich ist nun die Ausgestaltung des Raumes. Der Großteil ist freilich schwarz und grau ausgeführt, was die düstere, infauste Atmosphäre des Ganzen unterstützt. Doch scheint aus dem Hintergrund ein weißes Licht herein, welches an den Rändern das Schwarz bereits in einen wunderschönen Blauton verändert. Vielleicht ein Hoffnungsschimmer innerhalb der Szenerie? Vielleicht ein Hoffen auf Gnade und Verstehen – auf das, was der Trinker Marmeladow in Dostojewskijs „Schuld und Sühne“ in der Kneipe laut lallend ausspricht: „‘Kommt‘, wird er sagen, ‚auch ihr! Kommt, ihr Trunkenen, kommt, ihr Schwachen, kommt, ihr Schamlosen!‘ Und wir werden alle, ohne uns zu schämen, vortreten und uns vor ihn hinstellen. Und er wird sagen: ‚Ihr Schweine! Ihr Ebenbilder des Tieres und mit seinem Siegel Gezeichnete! Kommt aber auch ihr!‘ Und die Weisen werden sprechen, und die Klugen werden sagen: ‚Herr, warum nimmst du diese auf?‘ Und er wird antworten: ‚Darum, ihr Weisen, darum, ihr Klugen, weil keiner von ihnen sich dessen würdig hielt…‘ Und er wird seine Hände gegen uns ausstrecken, und wir werden niederfallen…und weinen..und alles verstehen! Dann werden wir es verstehen! Und alle werden es verstehen […] Herr, dein Reich komme!“--- [1] Zitiert nach Felix Schmidt: “Ist mein Talent nur dazu da, vererbt zu werden?”, Welt am Sonntag, Nr. 37 (13.09.1992), S. 55. [2] „Metamorphose. Ein Interview mit Richild von Holtzbrinck“, unpag. [S. 1], Beilage zu: Deutsches Krebsforschungszentrum (2018): Metamorphose. Kunstwerke von Richild von Holtzbrinck; Heidelberg: ZVD Zu Richild Holt (recte: Richild von Holtzbrinck) (geb. 1941 in Kärnten): Malerin, Zeichnerin; 1948 Umzug der Familie nach Osnabrück, dort Besuch des Gymnasiums für Mädchen St. Angela; es entstehen zu dieser Zeit erste Zeichnungen; 1956 Trennung der Eltern und die Mutter zieht mit den drei Töchtern nach Tirol; dort Besuch des Gymnasiums in Innsbruck, wo die Zeichenlehrerin Hertha Lischke prägenden Einfluss hat; 1960-62 Besuch der „Fachschule für Wirtschaftswerbung“ in Wien; 1962-68 Tätigkeit in der freien Wirtschaft; 12.03.1968 Heirat mit Dieter von Holtzbrinck und Umzug nach New York; 1968-69 Studium an der New School for Social Research (New York City); 1969-75 Geburt der drei Kinder; 1981-85 Besuch der Kunstakademie Stuttgart; im Januar 1987 erste Ausstellungsbeteiligung (Mussavi Arts Center, New York); August 1987 Krebsdiagnose und die Künstlerin lässt sich aus Vorsicht beide Brüste abnehmen; 1986-90 es entstehen die ersten Selbstbildnisse des „Metamorphose-Zyklus“ (heute ausgestellt im „Deutschen Krebsforschungszentrum“, Heidelberg); bis Mitte der 1990er Jahre eher dunkles Kolorit („schwarze Phase“), was sich danach deutlich aufhellt; ab 1997 geht sie in „zeichnerischer Malerei“ der Frage nach wie sich eine schnelle sicher erfasste Linie mit Malerei verbinden lässt; 2001 Scheidung der Ehe; 2001 Besuch der Sommerakademie in Salzburg (Kurs bei Xenia Hausner) Als Vertreterin der figurativen Malerei widmet sich die Künstlerin vor allem dem menschlichen Porträt und dem Selbstporträt. Sie porträtierte u.a. Helmut Schmidt, Edward E. Booher, Rosa von Praunheim, Bel Kaufman, Renate Merklein, Esther Goshen-Gottstein, Fritz Leonhardt, Helmut Engler, Teddy Kollek, Franz Effenberger, Karl Schiller, Horst Stern. Daneben entstehen auch Landschaften und eindrucksvolle Stillleben. Richild von Holtzbrinck lebt und arbeitet in Stuttgart. Normal 0 21 false false false EN-GB X-NONE X-NONE
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| Künstler | Richild Holt |
| Jahr | 1990 |
| Produktart | Gemälde |
| Material | Leinwand |
| Rahmung | Gerahmt |
| Eigenschaften | Handsigniert |
| Land | Deutschland |
| Kunststil | Figürlich |
| Größe | Mittel (bis 100cm) |
| Thema | Biblisches |
| Titel | "Apokalypse" |
| Original/Lizenzierte Reproduktion | Original |
| Herstellungszeitraum | 1990-1999 |
| Herstellungsjahr | 1990 |
| Verkäufertyp | Kunsthändler |
| Zeitraum | 1990-1999 |
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